Eigenthaler im Interview: Für Inhaber schwarzer Konten wird es eng!

Thomas Eigenthaler
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Ab 2017 findet ein internationaler Informationsaustausch zwischen Finanzverwaltungen statt. Dieses Ziel ist bei einem Finanzministertreffen im Rahmen der Weltsteuerkonferenz 2014 vereinbart worden, um Steuerstraftaten effektiv zu bekämpfen. Die Zahl der teilnehmenden Staaten wird sich von zunächst 55 Staaten auf über 100 erhöhen. DSTG-Bundesvorsitzender Thomas Eigenthaler hat sich in einem Interview mit „BÖRSE ONLINE“ zum geplanten grenzüberschreitenden Austausch zwischen den Finanzbehörden geäußert. Eigenthaler stellt in dem Interview klar, dass es für Inhaber schwarzer Konten eng wird. Wir veröffentlichen das Interview im Wortlaut.

BÖRSE ONLINE: „Herr Eigenthaler, erwarten Sie einen reibungslosen Start?“

Thomas Eigenthaler: „Der automatische Datenaustausch und die Datenzuordnung zu den ‚Steuerakten‘ der in Deutschland steuerpflichtigen Personen soll ja elektronisch erfolgen. Bislang sind Großprojekte im Steuerbereich EDV-technisch immer mit Anfangsproblemen behaftet gewesen. Da kann man auch nichts anderes erwarten, da die Behörden Neuland betreten. Ich nehme an, dass es schon im Folgejahr und bei den Nachzüglern - die Schweiz steigt beispielsweise erst ab 2018 beim internationalen Datenaustausch voll ein - besser funktionieren wird.“

BÖRSE ONLINE: „Das klingt für viele Steuerzahler nicht besonders beruhigend. Wo könnte es bei der technischen Umsetzung haken?“

Thomas Eigenthaler: „Eine Störquelle dürfte die korrekte Zuordnung zu den richtigen Steuerakten sein. Entweder geht etwas unter, weil es nicht zugeordnet werden kann. Problematischer wäre aber, dass etwas ins falsche Steuerkonto eingespeist wird. Das kann natürlich korrigiert werden, sorgt jedoch sicher für Unruhe bei Steuerzahlern und in der Finanzverwaltung. Die Verwaltung setzt nach meiner Kenntnis alles daran, Fehlerquellen auszuschließen. Allein dass bald Saldenstände frei Haus geliefert werden, wird zu mehr Nachfragen bei Kontoinhabern führen.“

BÖRSE ONLINE: „Werden nach Einführung des automatischen Informationsaustauschs deutlich mehr Steuerhinterzieher enttarnt?“

Thomas Eigenthaler: „Vieles wurde ja schon durch Selbstanzeigen erledigt – ‚regularisiert‘, sagen die Schweizer und Luxemburger. Trotzdem werden weitere Fische ins Netz gehen: Konteninhaber, die bis heute um ihre Nichtentdeckung pokern, und Leute, die sich gar nicht selbst anzeigen konnten, weil das Geld kriminell erworben wurde.

BÖRSE ONLINE: „Sind auch die Erben von Schwarzgeldvermögen potenziell betroffen?“

Thomas Eigenthaler: „Mancher Anleger wird vergessen haben, dass ausländische Finanzverwaltungen der Frühstarterländer zwar nur für das Jahr 2016 Daten liefern, das deutsche Finanzamt inzwischen aber national zehn Jahre zurückrecherchieren kann, wenn es Hinterziehungsaspekte gibt und sich die Frage nach der Herkunft des Geldes stellt. Einige Erben werden infolge des Informationsaustauschs zum ersten Mal Kenntnis über Konten erlangen, deren Inhaber verstorben sind und deren Guthaben seitdem vor sich hin dümpeln. Man darf also gespannt sein, was das nächste Jahr bringt: Das Leben schreibt meist ein größeres Drehbuch, als man es sich am Schreibtisch vorstellen kann.“

BÖRSE ONLINE: „Bei Abschluss des Steuerabkommens Ende 2014 hatten in Deutschland Steuerpflichtige geschätzt 400 Milliarden Euro Schwarzgeld im Ausland versteckt. Wie hoch ist diese Zahl heute?“

Thomas Eigenthaler: „In dieser Zahl war damals ein auf die Schweiz entfallender Anteil von 160 Milliarden Euro enthalten. Eidgenössische Banken haben in Deutschland steuerpflichtige Kunden gezwungen, bis Ende 2014 reinen Tisch in Sachen Schwarzgeld zu machen. Zieht man noch nacherklärte Konten für Luxemburg und Liechtenstein ab, verbleiben rund 150 Milliarden Euro unversteuertes Vermögen. Andererseits gab es Abschleichbewegungen in andere Oasen und nach Südostasien, konkret nach China und Singapur. Ich schätze, dass von Deutschen mindestens noch 200 Milliarden Euro in der gesamten Welt "schwarz" rumliegen. Denken Sie nur an die vielen Briefkastenfirmen in Panama und anderswo. Keiner weiß es genau - die Statistischen Ämter dokumentieren, was ist, aber nicht, was nicht ist.“

Quelle: „BÖRSE ONLINE“

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