Datenpanne bei der elektronischen Lohnsteuerkarte

DSTG weist Pauschalwürfe gegen das Finanzamtspersonal entschieden zurück

Wie in verschiedenen Ausgaben der STUTTGARTER NACHRICHTEN berichtet (zuletzt am 6. August 2015), kam es infolge einer zentralen Datenpanne bei zahlreichen Arbeitnehmern zu einem zu hohen Lohnsteuerabzug und zwar meist rückwirkend zum Januar 2015. In diesem Zusammenhang wurde scharfe Kritik des Bundes der Steuerzahler laut. Dieser sieht die Panne „in einer Reihe von Flops“ der Finanzverwaltung und äußerte scharfe Kritik an der „Finanzverwaltung“ (STN vom 6.8.). In der derselben Ausgabe verwahrte sich der DSTG-Bundesvorsitzende Thomas Eigenthaler gegen diese Pauschalkritik und verteidigte das Personal in den Finanzämtern: „Die Beschäftigten bekommen dort jetzt den ganzen Ärger ab, obwohl sie dafür nichts können.“ Eigenthaler verwies auch auf die Mehrarbeit, die in den Finanzämtern nun durch eine Fehlerbeseitigung entstehe.

Der Auslöser des Ärgers liegt offenbar darin, dass durch einen technischen Fehler beim Einsatz eines neuen „Releases“ es in der beim Bundeszentralamt für Steuern geführten ELSTAM-Datenbank zu einer fehlerhaften „Überschreibung“ des Familienstandes kam. So wurden Personen, die verheiratet sind, plötzlich als „ledig“ geführt. Die Folge war der Ansatz einer falschen Steuerklasse. Dies wiederum führte dazu, dass die Arbeitgeber der betroffenen – folgerichtig – die Lohnabrechnungen rückwirkend bis Januar korrigierten und beim Arbeitnehmer Lohnsteuer nacherhoben. Die betroffenen Arbeitnehmer hatten nun plötzlich finanzielle Nachteile und waren deshalb verunsichert und verärgert.

Die Fehlerursache, die Ende Juni passiert, wurde zwischenzeitlich erkannt. Es soll sich dem Vernehmen nach bundesweit um rund 40.000 Fälle handeln. Je nach Größe eines Finanzamtes dürfte es sich im Schnitt um 70 Fälle pro Finanzamt gehen.

Dieser technische Fehler ist auch für das Personal in den Finanzämtern sehr ärgerlich, weil die automatische Änderung der Steuerklasse verdeckt und im technischen Hintergrund erfolgte. Für diese technische Umgebung trägt das Finanzamtspersonal jedoch keine Verantwortung und konnte daher den Fehler auch nicht erkennen. Erkennbar wird der Fehler nämlich erst dann, wenn der betroffene Steuerzahler sich an sein zuständiges Wohnsitzfinanzamt wendet.

Fazit der Deutschen Steuer-Gewerkschaft: Der Fehler kann jetzt mit gutem Willem der Arbeitgeber bereinigt werden, so dass niemand lange auf sein vorenthaltenes Geld warten muss. Zuvor müssen sich die betroffenen Arbeitnehmer jedoch an ihr zuständiges Finanzamt wenden, um sich die richtige Steuerklasse bestätigen zu lassen. Sie sollten dies ohne Vorwurf gegen das dortige Personal machen, denn dieses kann nichts dafür. Im Gegenteil: Dort entsteht jetzt erhebliche Mehrarbeit in einer Zeit, wo die Personaldecke immer dünner wird.

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